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Afrika

Namibia & Botswana

Reise nach Namibia und Botswana März / April 2012

(Reisebericht von Frau H. Dancke) 

Grosse Aufregung, als wir abends am Züricher Flughafen die Maschine Richtung Johannesburg bestiegen. Es war wieder so weit, der Ruf Afrikas in unseren Ohren und vor allem unseren Herzen war nicht zu überhören. Was würde uns dieses Mal erwarten? Namibia – völliges Neuland für uns, und in Botswana, wäre „unser „ Guide Pilot wieder für uns da?

Nach gut überstandenem Nachtflug stelle ich fest, dass ich im Transitbereich kein Geld abheben kann. Das war so nicht geplant. Mit allem Charme der mir zu Verfügung stand, habe ich diverse Sicherheitsbeamten dazu gebracht, mich aus dem  Transitbereich heraus- und wieder herein zu lassen. Es war nicht so ganz problemlos, aber ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, dass ich auch wieder in den Transitbereich hineingelassen werde. Gut, wenn man manchmal nicht zu viel nachdenkt.


NAMIBIA 
Dann ging es weiter nach Windhoek. Am Flughafen niemand zu sehen, der ein Schild mit unserem Namen in der Hand hält. Nachdem alle anderen Mitflieger abgeholt waren und mehrere Taxifahrer uns ihre Dienste angeboten haben, rufen wir doch einmal bei der in unseren Reiseunterlagen angegebenen Nummer an um die Auskunft zu erhalten, der Fahrer sei gerade los gefahren. Eine ¾ Stunde später ist er da und völlig überrascht, wieso wir schon so lange warten. Wir müssten doch gerade erst noch ankommen. Ein Blick auf unsere Uhren lüftet das Geheimnis – bei ihm war es noch eine Stunde früher. Der Gute konnte sich gar nicht beruhigen, dass ihm so etwas passieren konnte. Wir waren inzwischen schon wieder ganz entspannt, schliesslich waren wir in den Ferien.

Unser Hotel „ Heinitzburg“ war Spitze, das Essen wirklich ein Genuss. Wenn man in der  Schweiz lebt kann man  gar nicht glauben, dass man für ca 90 Euro ein Luxusdinner für Zwei bekommen kann. In Zürich würde das maximal für 2 Pizzen mit Getränken reichen. Wunderbares Afrika!

Leider blieben uns nur wenige Stunden, denn früh am Morgen wurden wir abgeholt, um mit einem 5 Sitzer Flugzeug in 2,5 Stunden nach Purros im Norden Namibias zu fliegen. Katja, unsere südafrikanische Pilotin, erwartet uns schon am Flughafen und wir erfahren, dass wir wieder einmal die einzigen Gäste sind. Egoistisch wie wir dann doch sind, freuen wir uns auf „unseren „ Flug.


Wir wussten, dass die letzten Wüsten Löwen, die wir gehofft hatten an unserem Ziel vorzufinden, wenige Wochen zuvor von Einheimischen vergiftet worden waren. Eine für uns nicht nachzuvollziehende Tat. Aber was uns in Afrika immer wieder vor Augen geführt wird: wir dürfen keinesfalls mit unseren Maßstäben messen.

Wie gesagt, ein bisschen enttäuscht waren wir schon, keine Chance zu haben, diese einmaligen Tiere zu sehen, aber unsere Vorfreude konnte es dennoch nicht trüben.

Um es kurz zu machen, der Flug war einfach gigantisch. 900 km über Wüste und Gebirge, keine menschliche Ansiedlung zu erspähen, dafür aber eine großartige Landschaft, die ständig ihr Gesicht veränderte. Wenn jemand glaubt, dass Wüste und Fels langweilig seien, dem kann ich nur diesen Flug empfehlen, und er wird eines Besseren belehrt.

 NORDEN - Purros

In Purros holt uns Pollen vom Airfield ab. Ja, wie wir hinterher herausfinden, kommt der Spitzname tatsächlich von unserem deutschen Wort Pollen. Seine Freunde haben ihn so genannt, weil er ständig „umher fliegt“, d.h., immer unterwegs ist.

Mit Pollen haben wir die nächsten Tage einen wundervollen Begleiter, der uns seine Heimat mit viel Herz näher bringt. Wir lernen dann auch, dass Katja, unsere Pilotin, die nächsten Tage mit uns in der Lodge verbringen wird, da es günstiger ist dort zu bleiben, als die Strecke zurück zu fliegen, um uns dann nach 4 Tagen wieder ab zu holen.

Keine Ahnung, wie wir das immer machen, aber für 3 Tage „gehört“ uns die Lodge alleine. Nur am Schluss kommt eine etwas lärmige Gruppe Franzosen, die das Wort „Bon jour“ und höfliches Benehmen offensichtlich im Heimatland vergessen hatten.


Die Landschaft ist genau so beeindruckend, wie wir es aus der Luft gesehen hatten. Der Filmtitel „Die Wüste lebt“, kommt einem ständig in den Sinn. Einmal regnet es und sofort ist der Fluss mit Wasser gefüllt und nur mit grosser Vorsicht zu überqueren. Dann sehen wir die grossen Herden von Oryx Antilopen, die sich erstaunlicher Weise von dem kargen Gras und Gebüsch gut ernähren können. Genau so Zebras und Giraffen. Am erstaunlichsten aber sind die Wüsten Elefanten, von denen es in diesem riesigen Gebiet noch 35 gibt. Beim ersten Anblick ist man fast zu Tränen gerührt, denn sie sind so dünn, und die Haut hängt über den Knochen wie ein zu grosses Kleidungsstück. Die Füsse, die bei den Elefanten im Normalfall schon nicht gerade in Grösse 38 passen, sind bei den Wüsten Elefanten noch wesentlich grösser, damit sie sich im Sand besser bewegen können. Einige Elefanten in dieser Gegend kommen ohne Stosszähne auf die Welt. Das sieht sehr merkwürdig aus, aber noch mehr fragt man sich, was hat sich die Natur denn dabei gedacht, denn Stosszähe ist schliesslich für Elefanten das, was für uns die  Hände sind. Aber offensichtlich funktioniert auch das.  Die Natur ist schon ein ewig spannendes und für uns nicht immer begreifbares Wunderwerk.


Als Pieter, der Lodgebesitzer, von einem Trip zu einer anderen Lodge zurückkommt, unterhalten wir uns mit ihm über das Problem mit den Wüsten Löwen. Er klärt uns darüber auf, dass für die Himba, die in diesem Gebiet leben, die Rinder alles sind. Der Reichtum und die Bedeutung eines Mannes misst sich am Bestand seiner Rinderherde. Wenn dann die Löwen ein Rind reissen, bekommt er zwar eine Entschädigung in Geld, aber das ersetzt weder den Renommé Verlust  noch den materiellen, da die Regierung nicht genug zahlt, um ein neues Rind zu kaufen.

Jetzt lernen wir, dass unser Gedankengut aus einem Mitteleuropäischen Land hier gar nicht  passt. Was für uns ein unbedingt schützenswertes Tier ist,  vom Aussterben bedroht, bedeutet für einen Himba Hirten Bedrohung seines Lebens und seines Umfelds. Da haben wir wirklich noch viel zu lernen.

Pieter sagte uns, hätte er gewusst, dass wir uns für die Löwen interessieren, dann hätte er uns zu Dr. Stader gebracht, der das Wüsten Löwen Projekt mit großem Engagement betreut und ca 60km entfernt in einem Camp in der Kuene Region die letzen Wüstenlöwen beobachtet und erforscht. Es soll noch ein Paar mit Jungen dort geben.  Wir  hätten dort in Zelten übernachten können. Schade, dass wir das vorher nicht wussten – aber so haben wir auch gleich einen Grund, noch einmal wieder zu kommen.

Der Plan zum Schutz der grossen und sehr seltenen Raubkatzen ist nun, Spendengelder zu sammeln, um eine Rinderherde zu kaufen, so dass die Bauern dann direkt 1:1 für ein gerissenes Rind ein neues Tier bekommen. Macht für mein europäisches Hirn viel Sinn.


Neben Wüsten Löwen, - Elefanten und – Giraffen gibt es auch noch das sehr seltene Wüsten Nashorn. Wir wollen auch das sehen und starten zu einem größeren Trip mit einem speziellen Himba Tracker, der das Nashorn für uns aufspüren soll. Nach einigen Stunden ist leider immer noch kein Nashorn in Sicht und wir kommen in dem unwirtlichen Gelände auch nicht mehr weiter. Wir steigen aus dem Geländewagen aus und unterhalten uns ein bisschen. Pollen ist natürlich gar nicht begeistert, dass unsere Safari nicht mit Erfolg gekrönt ist, aber wir bleiben entspannt, schliesslich ist für uns alles aufregend. Wie es der Zufall so will, bin ich die einzige, die auf den Hügel auf der einen Seite eines Tals schaut, der Rest der Gruppe hat den Blick in die andere Richtung. Plötzlich glaube ich, meinen Augen nicht trauen zu können. Auf dem Hügel ist ganz gemütlich ein fast schwarzes Nashorn unterwegs. Als Pollen uns gerade wieder erklärt, wie leid es ihm tut, das Nashorn nicht gefunden zu haben ( in der ganzen Region gibt es nur noch 4 ) sage ich ihm, ich könne seine Sorgen gar nicht verstehen, warum er nicht einfach das nimmt, das auf der anderen Seite der Bergkette entlang läuft. Ich fasse ihn an der Schulter, drehe ihn um und wir beide müssen herzlich lachen.

Dieses Nashorn ist unglaublich. Es rennt  an diesem abschüssigen Hügel entlang, als ob es auf der Autobahn unterwegs wäre. Wir fragen uns, wie ein so grosses und nicht gerade sehr gelenkig wirkendes Tier das schafft. Leider war das Nashorn relativ bald aus unserem Blickfeld entschwunden, aber wir haben es gesehen, und das zählt. Ganz stolz machen wir uns auf den Rückweg. Wir picknicken gemütlich und werden dabei die ganze Zeit von einer Giraffe beobachtet, die sich sicher fragt, was diese merkwürdigen Wesen da wohl machen. Der einzige Vorteil des Verschwindens der Löwen ist, dass wir ohne Bedenken aus dem Fahrzeug aussteigen und herum laufen können.


Ein kurzer Ausflug gilt einem Dorf der Himba. Die Menschen leben dort wirklich noch fast wie in der Steinzeit. Fast alles, was sie zum Leben brauchen, liefern ihnen ihre Rinder. Das Gefäß, in dem die Frauen ihr Parfum aufbewahren, ist aus Rinderhorn. Das Parfum wird aus Rindertalg hergestellt, dem wohl duftende Kräuter beigefügt werden. Die Hütten sind aus Zweigen und Rinderdung hergestellt, die Kleidung aus Fell.  Wir durften einer Frau zuschauen, die gerade dabei war, eine neue Hütte zu bauen. Wirklich beeindruckend. Ich habe mir dann lebhaft vorgestellt, wie es wäre, wenn ich mit meinen eigenen Händen mein Haus bauen könnte. Vor allem, dass ich fürs Leben wirklich nichts von dem tatsächlich brauche, was meine Wohnung füllt.

Ein ungemütliches Gefühl war es doch, dass wir dort fotografieren konnten. Ich habe Pollen gebeten die Frauen nochmals zu fragen, ob das wirklich in Ordnung ist. Erst als ich das Gefühl hatte, sie würden wirklich ja sagen, habe ich mich getraut.

Meine Überlegung war, wie würde ich mich fühlen, wenn es an meiner Tür klingeln würde, jemand geht einfach in meine Wohnung, macht Fotos und verschwindet wieder. Denken wir wirklich genug nach, wenn wir in fremden Kulturen mit unseren Kameras unterwegs sind?

An einem Tag zeigt uns Pollen etwas ganz Besonderes, falls man das so sagen kann, „die unendliche Stille“. Wir fahren auf einen Hügel und Blicken in die Ebene. Dort oben hört man nichts: kein Tier, kein Fahrzeug, nicht den Wind und nicht einmal den eigenen Atem. Es ist berauschend und so schön, dass es nicht in Worte zu fassen ist.

Bevor wir die Ohahirongo Elephant Lodge verlassen, bauen wir noch nach Schweizer Manier vor unser Haus 2 Steinmännchen, die als Beschützer für alle die nach uns kommen, dort stehen bleiben sollen.


SWAKOPMUND und WALVIS BAY

Die Zeit vergeht so schnell, und schon sitzen wir wieder mit Katja in unserem Flugzeug Richtung Swakopmund. Aber erst steht uns noch einen Zwischenlandung in Palmwag bevor, um auf zu tanken. Wer wie wir glaubt, da ist nun ein Ort und ein Flughafen, der ist völlig auf dem Holzweg. Palmwag ist eine Sandpiste und eine Tankstelle für Flugzeuge, mitten in der Wüste. Das Terminal besteht aus ein paar Brettern und einer Holzbank. Willkommen in Afrika!

Dann geht es weiter nach Swakopmund in eine völlig andere Welt. Dünen bis direkt ans Meer, eine Stadt mit Häusern vom Anfang des 20. Jahrhunderts im deutschen Stil, oft noch deutsch beschriftet. Ein richtiger Kulturschock nach der Ruhe in der einsamen Region von Purros.

Das „Hansa Hotel“ ist sehr angenehm, aber das Personal nicht so besonders freundlich. Wir schauen uns die Stadt an, lernen einen netten Deutschen kennen, der einen Teil des Jahres in Swakopmund verbringt und versucht, den afrikanischen fliegenden Händlern zu helfen, die fast alle  aus entfernten Ländern kommen und in Namibia ihr Glück versuchen. Sie bekommen sehr oft Münzen und Scheine in fremden Währungen, die sie auf der Bank nicht getauscht bekommen. Er sammelt sie von ihnen ein und gibt ihnen Namibia Dollars dafür. Dann schleppt er kiloweise Münzen im Handgepäck mit zurück, um das dann in Deutschland ein zu tauschen. Das ist das Schöne am Reisen, dass man solche Menschen trifft, die einem im täglichen Leben nicht begegnen würden.

Von Swakopmund geht es dann für einen Ausflug nach Walvis Bay. Wir fahren mit einem grossen Katamaran an Austernbänken vorbei in die Bucht, in der wir hoffen, Delfine zu sehen. Mike, der das ganze leitet, sagt uns gleich, wir dürften  keine zu grossen Erwartungen haben, denn die Delfine sind schliesslich nicht dressiert und warten somit auch nicht auf uns. Oft genug würde man keine sehen. Wir aber haben grosses Glück und sehen sehr viele, die um unser Schiff herumschwimmen und mit ihrer grossen Kraft immer wieder aus dem Wasser emporschnellen. Es ist wirklich beeindruckend. Beim Fotografieren kann man immer nur auf den Auslöser drücken und hoffen, dass man irgendwann auch einen im Sprung erwischt hat. Auf dem Rückweg gibt es frische Austern, und Frau Göttling hatte Recht, es sind wirklich die besten, die wir jemals gegessen haben.

Der  2 stündige Flug über die Namib nach Sossusvlei , den wir noch spontan gebucht haben, ist nicht ganz das, was man für den stolzen Preis von ca 300 Euro erwarten kann. Die Leute, die mit uns geflogen sind, waren so groß bzw. korpulent, dass man schier erdrückt wurde. Der Ausblick auf die Wüste war zwar grandios, aber ein wirklicher Genuss  war es bei der Enge und der stickigen Luft im Flugzeug beim besten Willen nicht. Hier merkte man sehr direkt, dass es nur ums Geld machen geht.

Nun will ich mich aber nicht beklagen, denn wir hatten das Glück, etwas relativ rares zu sehen: eine Namib, die mit feinem Grün überzogen war, da es 2 Tage vorher geregnet hatte. Es ist unglaublich, wie die Wüste, die so abweisend  wirkt, so viel Leben in sich trägt.

Nach 3 Tagen geht es wieder zurück nach Windhoek. Dieses Mal mit dem Auto, denn wir wollten gerne auch noch etwas von der Landschaft sehen. Für unser schönes Hotel bleibt auch dieses Mal nicht viel Zeit, denn am nächsten Tag geht es weiter nach Botswana.


Botswana

Nun können wir es kaum mehr erwarten, wieder in das Grün und die Feuchte des Okavango Deltas ein zu tauchen. Von Maun geht es in einem 45 minütigen Flug zum Kwei Airstrip. Wir sind aufgeregt wie die Schulkinder, denn wir können  kaum erwarten, ob Pilot uns am Flugzeug abholen wird.  Der Reiseveranstalter hatte uns mitgeteilt, dass nicht garantiert werden kann, dass wir auch in diesem Jahr wieder mit Pilot als Guide im Kwei River Tented Camp sein werden.


Als wir aussteigen, steht schon ein größerer Geländewagen mit mehreren jungen Männern zu unserer Abholung bereit. Die Begrüßung ist extrem herzlich, aber wo ist Pilot? Er ist nicht dabei, und wir versuchen, bei so viel Herzlichkeit, unsere Enttäuschung zu verbergen. Als wir schon einsteigen wollen fragt uns die junge Frau, die mit uns geflogen ist, ob wir denn auch in die  Kwei River Lodge wollen. Als wir verneinten und sagten, unser Ziel sei das Kwei River Tented Camp erfuhren wir, dass unser Abholer noch gar nicht da sei. Wir müssen gestrahlt haben wir die Honigkuchenpferde bei dieser Nachricht. Kaum ausgesprochen, bog auch schon ein anderer Cruiser um die Ecke. Dieses Mal war es unserer – und Pilot der Fahrer. Es war wie einen alten Freund wieder treffen, den man lange vermisst hat.

Gleich auf dem Weg zum Camp haben wir wieder Stellen erkannt, an denen wir im letzten Jahr waren. Das hätten wir nie gedacht, denn der Bush erscheint uns doch immer als unbekanntes Terrain. Als wir dann an den Ort kamen, an der das Zelt Camp gerade im Aufbau war, wurde uns klar, dass es nur um wenige Meter versetzt zum Standort des letzten Jahres war. Temptation, die geniale Köchin vom letzten Jahr war auch wieder da und hat uns sogar wieder erkannt. Das war natürlich eine besonders fröhliche Begrüßung.


Es war wie nach Hause kommen, und das Gefühl, welches einen in dieser grandiosen Landschaft überkommt, wenn die Elefanten auf dem Weg zum Wasser am Zelt vorbeiziehen, das kann man nicht beschreiben. Nachts, wenn dann die Hyänen durch das Camp streifen und die Küche ausplündern, dann sind es die vielen fremden Geräusche, die einen nicht schlafen lassen. Aber wer kommt auch schon nach Afrika um zu schlafen?

Wir sind wieder so viel wie möglich unterwegs, sehen jede Menge Elefanten Bullen, die sich am Wasser treffen – oder, wie Pilot zu sagen pflegt, zum Drink und Plausch an der Bar. Wir suchen den Geparden, den wir im Jahr zuvor gesehen haben, aber keine Spur. Noch fehlt uns der Leopard, den wir noch nie gesehen haben und wir halten ununterbrochen Ausschau. Spuren sehen wir häufiger, aber die geschmeidige Raubkatze hält sich versteckt. Bis Alice auf ein Mal Antilopen in Alarmstellung sieht. Dem Blick einer Impala folgend, sehen wir einen ihrer Artgenossen im Baum hängen. Damit ist klar, hier ist ein Leopard. Auch er ist auf dem Baum, aber so gut getarnt, dass es einen Moment braucht, bis wir ihn entdecken. Die Impala muss ganz frisch gerissen sein, denn sie ist noch fast unversehrt. Über vier Tage beobachten wir den Leoparden und seine Beute jeden Morgen und jeden Abend. Es scheint, als ob er seine Nahrung mit viel Sorgfalt und Genuss verspeist. Er scheint keine Eile zu haben. Am 2. Tag entdecken wir eine junge Hyäne unter dem Baum. Sie wartet, dass etwas für sie vom „Baum der Nahrung“ herunterfällt. Manchmal hat sie Glück, und ein Stückchen fällt auch für sie ab. Dann hört man sie mit ihrem scharfen Gebiss die Knochen zerkleinern. Pilot erklärt uns, dass der Leopard der Hyäne aus dem Weg geht, und würde die Beute herunterfallen, würde er sich nicht auf den Kampf mit der Hyäne einlassen, sondern seines Weges gehen und notgedrungen erneut jagen.


Eines Morgens sehen wir den Leoparden im Gras in der Nähe des Baumes. Zur grossen Überraschung von Pilot liegt die Hyäne nur ca 10 Meter entfernt. Er sagt, so etwas hätte er noch nie gesehen. Im Tierreich gibt es keine Freunde. Der Kampf ums Überleben und um die Nahrung lässt das nicht zu – mit kleinen Ausnahmen, wie wir erleben durften.

Als am 4 Tag dann die Impala bis aufs letzte Haar verzehrt war, stieg unser Leopard majestätisch von seinem Baum und verschwand gemächlich im Bush. Es ist ein purer Luxus, wenn man nur zu zweit ist und stundenlang ein Tier beobachten kann, ohne dass irgendjemand drängelt, weil er etwas anderes sehen will und ihm langweilig wird – oder, wie wir in einem anderen Jeep beobachten konnten, einfach einschläft.

Es gibt noch ein weiteres Ziel, das wir uns gesetzt haben: wir wollen unbedingt die zwei kleinen Löwen und ihre Mutter wieder sehen, die wir im letzten Jahr über Tage beobachtet haben. Wir erzählen das Pilot und er macht sich auf die Suche. Natürlich erinnert er sich nicht genau an dieses Erlebnis, denn er ist schliesslich täglich im Bush und sieht die unterschiedlichsten Tiere. Eines Abends finden wir in der Dämmerung im Gras ein Rudel  Löwen, bzw Löwinnen und Junge. Sicher sind wir uns aber nicht, ob „unsere „ dabei sind. In den nächsten Tagen verfolgen wir Spuren, finden die Löwen aber nicht wieder. Pilot ist wirklich ein unglaublicher Fahrer. Wir sind im dicksten Bush unterwegs, der eine oder andere Baum muss uns weichen – aber Löwen finden wir nicht.


Alice fotografiert besonders gerne Blumen und Gräser. Nachdem wir durch Dick und Dünn gefahren sind und auf eine Wiese mit schönen, violetten Blumen kommen, will Alice diese fotografieren. Der Wind biegt sie aber so hin und her, dass ein gutes Foto nur schwierig machbar ist. So hat Alice die grandiose Idee, ich könne doch mal kurz aussteigen und die Blume festhalten. Toller Scherz, wenn man im Bush doch nie weiß, wen man um die nächste Ecke trifft. Pilot fährt weiter und, als hätte ich es geahnt, dass das Auto doch mit Sicherheit der bessere Ort ist (nicht, dass wirklich je einer von uns auf die Idee käme, aus dem Auto auszusteigen, außer, Pilot erlaubte es uns) liegen unter Bäumen drei Löwinnen und einige Junge.

Alice und ich erkennen die Löwin aus dem letzten Jahr sofort. Bei den Jungen sind wir nicht so ganz sicher. Wir machen natürlich unsere obligatorischen Fotos und sind total begeistert, dass wir die Löwin wirklich per Zufall wieder gefunden haben. Zurück im Camp erklärt uns Pilot, dass jeder Löwe ganz eindeutige Zeichen auf dem Fell hat, fast so, wie unser Fingerabdruck. Es sind dunkle Punkte entlang der Nase. Plötzlich fällt mir ein, dass ich auf dem iPhone Fotos vom kleinen Löwen aus dem letzten Jahr habe. Wir vergleichen das Foto mit denen, die wir mittags gemacht haben, und können so unsere beiden Kleinen aus dem letzten Jahr identifizieren, die inzwischen zu Youngstern herangewachsen waren.


Aber nicht nur die Tiere begleiteten uns. Im letzten Jahr hatten wir beim Besuch im Dorf der River Bushmen Fotos von Kindern gemacht. Davon hatten wir nun Abzüge mitgebracht und wollten sie ihnen geben. Also fuhren wir wieder ins Dorf. Leider trafen wir die Kinder nicht an, da sie an einem anderen Ort in der Schule waren. Aber die Eltern haben sich gefreut und die Fotos gerne behalten.

Leider gehen die Tage immer viel zu schnell vorbei und bald hieß es schon wieder Abschied nehmen. Die Wildhunde waren auch dieses Mal andere Wege gegangen, aber auf dem Weg zum Airfield sahen wir doch wenigstens noch ihre Spuren. Auch die Elefantenherden mit den weiblichen Tieren und den Jungen waren wieder im Wald versteckt. Da das Kwei Gebiet noch bis vor wenigen Jahren Jagdgebiet war (wir erinnern uns an die unsäglichen Jagdausflüge des spanischen Königs in Botswana ), verstecken sich die Herden nach wie vor und nur die Bullen sind im offenen Feld unterwegs. Aber welch ein Glück, unterwegs zum Airfield begegnet uns doch am Rand der Strasse eine Herde. Die weiblichen Tiere sind sehr aufmerksam und vorsichtig. Sie stellen sich sofort vor die Jungen, so dass wir keine Chance hatten, ein Foto von den Kleinen zu machen, obwohl Pilot der Herde sehr vorsichtig in den Bush folgte.

 

Wir haben uns trotzdem gefreut sie zu sehen, aber es macht einen auch nachdenklich, dass diese grauen Riesen nach Jahren ihren Feind, den Menschen, nicht vergessen haben. Kürzlich habe ich wieder einmal gehört, dass Schmuggler mit Tonnen von  Elfenbein aufgegriffen wurden. Der Mensch ist und bleibt wirklich das größte Raubtier. Nur, dass wir nicht aus Hunger töten sondern aus Habgier.

Voll mit all den spannenden Eindrücken liefert uns Pilot am Flugzeug ab und schon sind wir in der Luft. Unten sehen wir Pilot, wie er auf den Wagen klettert und uns zuwinkt. Wer würde da nicht mit Abschiedstränen in den Augen zurückschauen?

Wir schauen uns an und wissen: Afrika, wir kommen wieder.


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